Modellprojekt "Ethnisierung von Religion und Kultur in der Integrationsgesellschaft"


In Zeiten der Globalisierung sind Vielfalt und Konflikte zwischen vermeintlich homogenen Kulturen und Weltreligionen in den Fokus selbst lokaler Öffentlichkeiten gerückt. Befürchtet wird ein ‚Kampf der Kulturen’ (Huntington 1997) und neuerdings sogar ein ‚Krieg der Religionen’ (V. & V. Trimondi 2006), den es durch interkulturelle und interreligiöse Dialoge zu verhindern gelte. Mit der in den Medien wohl unvermeidlich verkürzten Redeweise werden ‚Kulturen’ und ‚Religionen’ zu Kollektivsubjekten erhoben, die kämpfen, glauben oder einen Dialog führen könnten.

Zwar bieten kollektive Wahrnehmungsmuster eine Reduktion von Komplexität und informieren über bestehende Differenzen zwischen ‚Kulturen’ und ‚Religionen’. Zugleich sind sie jedoch Bestandteil eben dieser Konflikte. Denn ausgeblendet werden nicht nur die Unterschiede zwischen Gläubigen in einer Religion und Menschen in einer Kultur, sondern auch Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. Weil für immer mehr Menschen der Glaube an Gott zu einer Option unter vielen avanciert ist und an immer mehr Orten der Welt Menschen mit unterschiedlichen Glaubensformen und säkularen Weltsichten leben, gibt es indes sowohl Gemeinsamkeiten als auch Spannungen zwischen wie unter Gläubigen, Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen. Kollektive Wahrnehmungsmuster führen also dazu, dass vermeintliche oder tatsächliche Differenzen zwischen Kollektiven als alleinige Begründung für komplexe Problemlagen herangezogen werden, die es nicht nur zwischen, sondern auch in ‚Kulturen’ und ‚Religionen’ gibt.

Die Ethnisierung von Kultur und Religion berührt längst auch das Miteinander vor Ort. Differenzen führen indes zu Konflikten, wenn sie durch Kulturnationalismen und ethnisierte Glaubenslehren fundiert werden und es zu einer Gegenüberstellung von vermeintlich Gläubigen und Ungläubigen kommt. Durch positive Selbst- und negative Fremdbestimmung werden national-kulturelle und ethnisch-religiöse, vermeintlich homogene Kollektivgemeinschaften und fundamental-dramatisierte Differenzen konstruiert. Auf diese Weise werden exklusive Zugehörigkeiten imaginiert, die leicht zu Diffamierung und Ausgrenzung führen. Vor allem an Orten wie Duisburg, in denen Gläubige, Andersgläubige und Menschen mit säkularer Orientierung aus verschiedenen ‘Kulturen’ und ‘Religionen’ leben, kommt es daher darauf an, zugleich Präventionsangebote gegen säkular als auch gegen religiös bedingte Formen von Fremden- und Deutschenfeindlichkeit zu entwickeln.

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Peter Krumpholz | Thu Apr 7 19:01:10 2011
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