„Den Spurenstoffen auf der Spur“ - Herkunftsanalyse und Sensibilisierung zur Vermeidung des Eintrags von Spurenstoffen

Rückstände von Arzneimitteln belasten weltweit den Wasserkreislauf. Zur Verminderung der Einträge ist die Ermittlung und Quantifizierung der Eintragspfade unerlässlich. Daher wird im Projekt „Den Spurenstoffen auf der Spur“ in der Pilotstadt Dülmen unter Einbindung der ansässigen Bevölkerung und relevanten Akteuren im Bereich der medizinischen Versorgung die Verwendung von Humanarzneimitteln analysiert. Darüber hinaus werden Wege zur Vermeidung und zur Reduzierung der Einträge in die Umwelt an der Quelle aufgezeigt. Ziel ist es zu erforschen, in welchem Umfang eine Verhaltensänderung möglich ist und wie hoch der tatsächliche Beitrag einer Verhaltensänderung zum Schutz der Umwelt ist.

Hintergrund

Weltweit werden zunehmend Medikamente eingenommen. Sie werden nicht vollständig im Körper verarbeitet und teilweise über das Abwasser ausgeschieden. So gelangen Arzneimittelrückstände, Spurenstoffe, in den Wasserkreislauf. Aber auch die Entsorgung von Altmedikamenten über das Abwasser stellt einen Eintragspfad dar.
Medikamentenrückstände sind im Trinkwasser bisher in nur geringen Mengen nachweisbar und stellen in den derzeitigen Konzentrationen keine Gefahr für den Menschen dar. Es gibt aber Bedenken über mögliche Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und anderen Schadstoffen in Oberflächengewässern und ökotoxikologischen Wirkungen von einigen einzelnen Substanzen. Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt in der Umwelt durch solche Wechselwirkungen sind schon zu beobachten. Während Haushalte diffuse Quellen des Eintrags von Humanpharmaka darstellen, gelten Krankenhäuser als Punktquellen für bestimmte Wirkstoffe und Antibiotika-resistente Bakterien.

Das gesamte Projekt – in mehrere Phasen unterteilt– verfolgt zwei Herangehensweisen. Zum einen sollen Möglichkeiten der Vermeidung an der Eintragsquelle aufgezeigt werden, das heißt verursacht durch die Einnahme von Medikamenten oder der unsachgemäßen Entsorgung von nicht mehr benötigten oder abgelaufenen Medikamenten. Verhaltensänderungen der Medikamenteneinnahme können beispielsweise durch eine veränderte Beratung von Ärzten und Apothekern geschehen, während Änderungen der Entsorgungspraxis durch eine weitgefächerte Sensibilisierung der Bevölkerung realisiert werden kann (Teil 1).

Da konventionelle Kläranlagen zur Entfernung von abbaubaren organischen Stoffen aus dem Abwasser entwickelt wurden und bei der Elimination von persistenten Pharmaka an ihre Grenzen stoßen, soll zum anderen die Möglichkeit der technischen Aufrüstung bestehender Kläranlagen, beispielsweise durch die Nachschaltung einer speziellen Reinigungsstufe erforscht werden (Teil 2 und 3).

Ziel des Projekts

Im Rahmen des Projekts „den Spurenstoffen auf der Spur“ sollen die Möglichkeiten zur Reduzierung des Eintrags von Spurenstoffen im Wasserkreislauf erforscht werden. Folgende Teilziele hat die erste Phase des Projekts:

• Erhebung zum Umgang mit Medikamenten und zur Entsorgungspraxis im Haushalt
• Erhebung der Verschreibungspraxis und der Beratung in Apotheken
• Bilanzierung der Arzneimitteleinträge
• Entwicklung eines Kommunikationskonzepts zur Sensibilisierung der Bevölkerung
• Operative Durchführung der Kommunikation- und Sensibilisierungsmaßnahmen
• Erfolgskontrolle der Sensibilisierungsmaßnahmen

Projektpartner

Die Projektkoordination liegt beim Lippeverband. Das interdisziplinäre Forscherteam setzt sich darüber hinaus zusammen aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für Nachhaltige Umweltchemie (INUC) an der Leuphana Universität Lüneburg, des Instituts für sozial-ökologische Forschung GmbH (ISOE) und von kip it balanced (kib).

Publikationen:

Stempleswski, J. / Pfeiffer, E. / Nafo, I. / Liesenfeld, J. / Müller, R. / Stachowiak, J. (2014): Herausforderungen Spurenstoffe im Wasse. Empirische Befunde zum Umgang mit Medikamenten; In: Korrespondenz Abwasser – Abfall. 61. Jahrgang, Nr. 10; Oktober 2014. S. 886 – 893.

Liesenfeld, J. / Stachowiak, J. (2015): Reduzierung des Eintrags von Medikamentenresten ins Abwasser durch Verhaltensveränderungen. Bericht zu den Ergebnissen der Bevölkerungsbefragung 2014 in Dülmen und Soest. Duisburg.

Abschlussbericht: Herkunftsanalyse und Sensibilisierung zur Vermeidung des Eintrags von Spurenstoffen in Dülmen – Kurzfassung

Abschlussbericht: Herkunftsanalyse und Sensibilisierung zur Vermeidung des Eintrags von Spurenstoffen in Dülmen – Langfassung


Laufzeit:
Oktober 2012 bis Dezember 2015

Links

Projektbearbeitung

Projektleitung



Dipl. soz. wiss. Joachim Liesenfeld

E-Mail: joachim.liesenfeld@uni-duisburg-essen.de
Tel: +49 (0)203 28099-14



Auftraggeber

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-WestfalenZ-Interreg IV