Students as Journeymen between Communities of Higher Education and Work / EU Research Project FP5

Gegenstand dieses Projekts war die Erforschung der Beziehungen zwischen Kultur, Hochschulbildung und Berufswelt sowie die empirische Erfassung des Stellenwerts universitärer Lernkulturen für den erfolgreichen Übergang vom Studium ins Berufsleben. Inhaltlich standen somit Berufsperspektiven und Fragen des Kompetenzerwerbs für künftige akademische Tätigkeitsfelder im Mittelpunkt.

Zu deren Erfassung wurden je 90 Interviews pro Land, das heißt insgesamt 360 Intensivinterviews mit Hilfe von strukturierten Frageleitfäden an den vier beteiligten Universitäten Danzig (PL), Duisburg (D), Linköping (S) (Projektkoordination) und Oslo (N) durchgeführt. Ferner wollten wir herausfinden, wie Studierende und akademische Novizen ihre Lernumwelt während des Studiums und der beruflichen Tätigkeit begreifen sowie durch Praktika kennen- und beurteilen lernen. Es wurden qualitative Interviews mit Studierenden aus drei verschiedenen Studiengängen (Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Psychologie) durchgeführt, wobei jeder Studiengang in drei Kohorten unterteilt wurde.

Das Forschungsdesign des Journeymen–Projekts umfasste gleich strukturierte Interviews mit Studienanfängern und Absolventen in den drei genannten Studiengängen für jedes der vier am Projekt beteiligten europäischen Länder. Ermittelt wurde, welche vorberuflichen, sozialen und auch studienrelevanten institutionellen Bedingungen in diesen Studiengängen den Übergang ins Berufsleben beeinflussen. Die gewonnenen Ergebnisse der phänomenographischen Analysen wurden dann zum Gegenstand vergleichender Interpretationen unter Verwendung von diskursanalytischen und hermeneutischen Methoden. Komparative Analysen zwischen den unterschiedlichen Fachrichtungen und den partizipierenden vier Ländern wurden gemeinsam durchgeführt. Dabei wurden auch interkulturelle Einflüsse berücksichtigt, die das Verständnis von Bildung in Bezug auf die künftige Berufstätigkeit prägen.

Die wichtigsten Ergebnisse der deutschen Teiluntersuchung lassen sich exemplarisch an den Befunden der Befragungen im Fach Psychologie darstellen: Bezüglich der Unterschiede zwischen Anfängern und Absolventen lassen sich gravierende Diskrepanzen hinsichtlich der jeweils angestrebten Tätigkeitsfelder feststellen: Während die Studienanfänger großes Interesse an der klinischen Psychologie äußern, lehnt die Mehrzahl der befragten Absolventen diese Ausrichtung ab und bevorzugt statt dessen andere Tätigkeitsfelder der Psychologie, wie zum Beispiel wissenschaftliche Forschung, Bildungsarbeit an Schulen oder in der Erwachsenenbildung.

Ausgehend von der Frage, wie Studierende einen Zugang zu dem Theorie-Praxis-Verhältnis finden, lassen sich drei Grundpositionen identifizieren:

a) Praxiserfahrungen sollen ausschließlich durch die Universität vermittelt werden (ohne persönliche Initiative der Studierenden),
b) Praxiserfahrungen können auch durch wissenschaftliche Tätigkeiten innerhalb des Universitätsbetriebes erworben werden und
c) handlungsrelevanter Praxiserwerb findet hauptsächlich durch außeruniversitäre Tätigkeiten in Eigenregie statt (professionelle Nischen).

Hinsichtlich der Identitätsbildung wurden vier Stadien identifiziert, die bei vielen Studierenden zu unterschiedlichen Handlungsstrategien zur Bewältigung eigener Identitätskrisen führten:

1. Eine intellektuelle und formale Anpassung an die vorgegebenen Studienstrukturen sowie die anschließende Berufstätigkeit.
2. Eine persönliche Abkehr vom Fachstudium bzw. sogar Studiengangswechsel mit der Tendenz zu eigener Resignation in der Rolle als Studierender.
3. Die Ausformung einer ‘split identity’, um neue berufs- oder handlungsrelevante Nischen zu finden, die eine befriedigende Selbstverwirklichung erlauben.
4. Darüber hinaus wird der angestrebte Studienabschluss mit möglichst geringem Aufwand absolviert.

In der Gruppe der Politikwissenschaftler entwickelte sich zwischen den Stadien der Studienanfänger und Absolventen eine deutliche Differenzierung bzw. Profilierung hinsichtlich der Auffassung von Studierverhalten und Wissenserwerb in drei Phasen:

1. Vom Konsumentenverhalten zur Reproduktion von Wissen.
2. Vom reinen Wissenserwerb zur Wissensvermittlung und
3. vom willkürlichen Lernen von Detailkenntnissen zu ganzheitlichem, reflektiertem Lernverhalten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass für Studienanfänger neben diffusen Berufsvorstellungen stärker die Perspektive einer politischen Karriere im Vordergrund steht, während bei den Absolventen eher soziales Engagement, selbstbestimmte Persönlichkeitsbildung und die Demokratisierung der Gesellschaft als Studienmotive betrachtet werden.


Laufzeit:
Januar 2001 bis Oktober 2004

Kooperationspartner |

Projektbearbeitung

Projektleitung



Prof. Dr. Manfred Bayer

E-Mail: manfred.bayer@uni-due.de
Tel: +49 (0)203 28099-20

Dipl.-Soz.-Wiss. Peter Krumpholz

E-Mail: peter.krumpholz@uni-due.de
Tel: +49 (0)203 28099-13



Auftraggeber

Europäische Union

Ausgewählte Publikationen


  • Krumpholz, Peter / Lababidi, Tarek / Bayer, Manfred / Dahlgren, Lars Uwe u.a.: Students as Journeymen Between Communities of Higher Education and Work - Journeymen - Final report. Brussels & Luxembourg: Office for Official Publications of the EC, 2007. - 152 Seiten| Download| mehr...