Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzepte für Polizeiboote auf See- und auf Binnenwasserstraßen

Die Arbeit der Polizei auf dem Wasser besteht aus einer Mischung von polizeidienstlichen und schifffahrtsbezogenen Aufgaben. In der Wahrnehmung dieser Aufgaben entstehen spezielle Sicherheitsrisiken und Gesundheitsgefährdungen, die bisher weitestgehend unerforscht blieben.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fördert – eine Initiative der Gewerkschaft der Polizei (GdP) aufnehmend – das Forschungsprojekt „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzepte für Polizeiboote auf See- und auf Binnenwasserstraßen“ und stellt damit erstmals die Wasserschutzpolizei der Länder und die maritimen Teile des Bundesgrenzschutzes als eine besondere Personengruppe in den Fokus von Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit.

Das Projekt wird von drei Institutionen (RISP, SFS und DST) gemeinsam bearbeitet. Dem methodischen Ansatz liegt eine starke Beteiligungsorientierung und ein hoher Praxisbezug zugrunde. Das Erfahrungswissen von Experten vor Ort (darunter Dienststellenleiter, Personalvertreter, Sicherheitsfachkräfte, Schiffsführer und operative Mitarbeiter) wird (u.a. in Workshops, Arbeitskreisen) einbezogen. Das Projekt wird an unterschiedlichen Standorten (Küsten- und Binnengewässer) Fallstudien, einschließlich schriftlicher Befragungen und teilnehmender Beobachtungen) erarbeiten.

Im Mittelpunkt der Projektaktivitäten stehen folgende Projektziele: · Identifikation von Verbesserungsbereichen und Gestaltungspotenzialen · Einschätzung und Festschreibung schiffstechnischer Anforderungen · Entwicklung und Erprobung einer Gefährdungsbeurteilung · Ausarbeitung eines Präventionskonzeptes · Entwicklung eines Sicherheitstrainingskonzeptes

Am 26.04.2007 hat im Gerhard-Mercator-Haus der Universität Duisburg-Essen die Abschlussveranstaltung des von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) geförderten Forschungsprojektes „Sicherheit und Gesundheitsschutz für Polizeiboote auf See- und Binnenwasserstraßen“ statt gefunden. Unter Anwesenheit von rund 40 Vertretern der Wasserschutzpolizeien der Länder und des Bundes, der zuständigen Innenministerien, von Experteneinrichtungen wie der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen und der Bundesunfallkasse sowie von Arbeitswissenschaftlern wurden die Ergebnisse des zweijährigen Projektes vorgestellt, das unter der Federführung des Rhein-Ruhr-Instituts für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) in Kooperation mit dem Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST) – beides An-Institute der Universität Duisburg-Essen – sowie der Sozialforschungsstelle Dortmund durchgeführt worden ist.

Seitens der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin als Auftraggeberstellte Frank Brenscheidt heraus, dass dem Projekt im Hinblick auf die Verbindung von Forschung und Praxis eine Vorzeigefunktion zukomme. Auf die vielfältigen Belange von Sicherheit und Gesundheit habe sich das Projekt im Hinblick auf die technische Optimierung von Schiffen und Booten, auf die Gestaltung spezifischer Tätigkeiten der WSP, aber auch im Hinblick auf Faktoren wie Stressbewältigung, Arbeitszeitgestaltung und dem Umgang mit dem demografischen Wandel bei der Polizei gut eingestellt.

Frank Richter, Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands der Gewerkschaft der Polizei (GdP) erläuterte mit vielen Hinweisen auf die Belastungen im Polizeialltag, weshalb ein solches Forschungsprojekt notwendig gewesen sei. Er zeigte sich äußerst zufrieden damit, dass vom Projekt sehr gut aufbereitete Materialien zur Unterstützung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bei der Wasserschutzpolizei entwickelt worden seien. Diesen wird bei der anstehenden Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen in den Dienststellen der WSP eine wichtige Funktion zukommen.

Intensive Erörterung fanden die die konkreten empirischen Forschungsbefunde sowie die vorgeschlagenen Maßnahmen, mit denen die Gefährdungen beseitigt oder reduziert werden können, denn das war das wesentliche Ziel des Projektes. Die Vorschläge reichen von technischen Veränderungen der Schiffskonstruktion und der Ausstattung bis hin zur Qualifizierung und zum Sicherheitstraining.

In den zwei Jahren hat das Forscherteam die Arbeitsbedingungen und die Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit von Polizisten auf dem Wasser an fünf verschiedenen Standorten in Deutschland wissenschaftlich untersucht, vom 12-Meter Boot auf dem Kanal mit 2 Besatzungsmitgliedern bis hin zum 65-Meter Schiff der Bundespolizei auf der Ostsee mit 14 Besatzungsmitgliedern.

„Wasserschutzpolizisten haben eigentlich zwei Berufe, sie sind Polizisten und zugleich Schiffer bzw. Seeleute. Daraus ergeben sich besondere Gefährdungen, die zuvor noch nicht von der Arbeitsschutzforschung untersucht worden waren“, so Joachim Liesenfeld vom RISP, der Projektleiter. Insgesamt sind vom Forscherteam 18 Gefährdungsbereiche für die Sicherheit und Gesundheit der Polizisten identifiziert worden. Vieles hängt mit der Ausstattung der Boote und Schiffe zusammen, vieles mit Fragen der Arbeitsorganisation. Insbesondere wenn Schlechtwetter und schwierige Einsatzsituationen zusammen kommen, ist die Arbeit von Wasserschutzpolizisten „Stress pur“.


Laufzeit:
Januar 2005 bis Dezember 2006

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Projektbearbeitung

Projektleitung



Dipl. soz. wiss. Joachim Liesenfeld

E-Mail: joachim.liesenfeld@uni-duisburg-essen.de
Tel: +49 (0)203 28099-14



Auftraggeber

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)