dynaklim

Dynamische Anpassung regionaler Planungs- und Entwicklungsprozesse an die Auswirkungen des Klimawandels am Beispiel der Emscher-Lippe Region

Im Rahmen des Programms „Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten (KLIMZUG)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt das auf fünf Jahre angelegte Vorhaben, das von einem interdisziplinären Konsortium von 12 Forschungsinstitutionen aus der Region und der Emscher-Genossen­schaft / Lippe-Verband sowie rund 50 weiteren Netzwerkpartnern getragen wird, die Basis und wichtige Bausteine für eine zukünftig pro-aktive und antizipative Anpassung der Region Emscher-Lippe an die Auswirkungen des Klimawandels. Das Projekt hat einen besonderen Fokus in der Anpassung der Wasserwirtschaft und –infrastruktur der Region an den Klimawandel, greift darüber hinaus aber auch die Anpassungserfordernisse in anderen Bereichen sowie die besonderen Funktionen der politisch-administrativen Institutionen im Anpassungsprozess der Region auf.

Die FG ABS ist bei dynaklim ergebnisverantwortlicher Forschungspartner für einen von 5 fachlichen Arbeitsbereichen, den Arbeitsbereich „Politik, Planung und Verwaltung“ und führt u.a. die für die politische Ausrichtung der regionalen Klimaanpassungsstrategien (Roadmap 2020) grundlegenden Bevölkerungs­befragungen durch.

www.dynaklim.de

Klimaszenarien prognostizieren für Deutschland neben nassen, moderateren Wintern insbesondere heißere, trockenere Sommer mit wiederkehrenden Starkregenereignissen. Diese klimatischen Veränderungen werden spürbare Auswirkungen auf die Lebens- und Wirtschaftsbedingungen der Menschen, auf Sicherheit, Qualität und Kosten der Ver- und Entsorgung und damit auf die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von der Region haben. Ländliche Kultur- und Naturräume werden davon genauso betroffen sein wie dicht besiedelte städtische Gebiete.

Die Projektregion Emscher-Lippe umfasst 52 Städte und Gemeinden, von denen 34 dem Regionalverband Ruhr (RVR) angehören. Drei Regierungspräsidien, sechs Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie drei Handwerkskammern übernehmen in der Region Aufgaben der Verwaltung und Selbstverwaltung. Starke regionsumfassende Initiativen finden sich sowohl in Wirtschaft (z.B. Initiativkreis Ruhr) und Wissenschaft (Wissenschaftsforum Ruhr, Zusammenarbeit der Ruhrgebietsuniversitäten), als auch im Bereich der Zivilgesellschaft (Initiative pro Ruhrgebiet, Wassernetz NRW, LAG 21 NRW u.v.m.). Nicht zuletzt ist die Projektregion durch vielfältige wirtschaftliche und sozio-ökonomische Beziehungen eng mit allen benachbarten Kreisen, Städten und Wasserverbänden verzahnt, die in der Projektarbeit berücksichtigt werden. Im Einzugsbereich von Emscher und Lippe leben ca. 3,8 Millionen Menschen.

Ziele und Teilprojekte

Im Mittelpunkt des dynaklim-Vorhabens stehen die möglichen Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels auf die Verfügbarkeit und Nutzung des Wassers in der Region Emscher-Lippe und die damit verbundenen Folgewirkungen auf Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt. Mit dem Aufbau eines langfristig tragfähigen regionalen Netzwerks und einem regionsumfassenden Roadmap-Prozess unterstützt dynaklim die Projektregion bei der Entwicklung zu einem pro-aktiv handelnden, zukunftsfähigen Ballungsraum mit einer wesentlich verbesserten Anpassungs- und Innovationsfähigkeit. Die Emscher-Lippe-Region steht stellvertretend für andere Agglomerationen in Deutschland und in Europa (Randstad/ Niederlande, Greater London, Mailand-Turin …). dynaklim ist somit ein national und international bedeutsames Modellprojekt für die Klimawandelanpassung von Ballungsräumen und ihrem Umland.

Ausgehend von der regionalen Betroffenheit in verschiedenen Bereichen wurden für die dynaklim-Projektarbeit sechs Teilziele formuliert:

Mit der Erarbeitung und nachhaltigen Umsetzung der Roadmap 2020 „Regionale Klimaadaptation“ erhält die Region den Orientierungsrahmen für eine zukünftige regionale Adaptationsstrategie, der bisher isolierte Einzelthemen bündelt, Ziele und Maßnahmen der regionalen Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft programmatisch und strategisch koordiniert, Prioritäten mit bedeutenden Akteuren festlegt und diese zeitlich strukturiert. In die Roadmap-Arbeit des Netzwerks werden kontinuierlich die Erfahrungen und Arbeitsergebnisse aus den fünf thematischen Regionalen Plattformen des Projekts eingebracht.

Vernetzung und Wissensmanagement bringen die Akteure der Region zusammen, bauen effiziente Abstimmungs- und Arbeitsstrukturen auf und stärken den Wissenstransfer in der Region, um die Entwicklung und Umsetzung der Anpassungsmaßnahmen zu bündeln. Ziel ist die Institutionalisierung und Verstetigung des dynaklim-Netzwerks, das die Entwicklung und Umsetzung der Roadmap 2020 gewährleistet.

Das Teilziel Wasserwirtschaft adressiert neue Konzepte der nachhaltigen Bewirtschaftung des Wasserhaushalts, Anpassungsstrategien, Planungsprozesse und Technologielösungen, mit denen den Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserversorgung, Siedlungsentwässerung und Stadtklima zukünftig antizipierend und mit höherer Flexibilität begegnet werden kann.

Das Teilziel Innovation und Wettbewerbsfähigkeit stärkt den Anpassungsprozess der regionalen Wirtschaft insgesamt mit dem Ziel, Markt- und Innovationspotenziale zu erkennen, zu nutzen und zu stärken. Dazu wird gemeinsam mit den Akteuren der Region eine Strategie für eine klimafokussierten Wirtschaftsförderung entwickelt.

Im Teilziel Finanzierung und Organisation wird untersucht, wie wasserwirtschaftliche (Dienst‑)Leistungen künftig klimarobust organisiert und finanziert werden können. Gemeinsam mit regionalen Partnern werden ein Entscheidungsunterstützungssystem sowie anpassungsfähige, effiziente Organisations- und Finanzierungsmodelle entwickelt.

Politik, Planung und Verwaltung: In enger Zusammenarbeit mit den Entscheidungs- und Verantwortungsträgern der Kommunen, mit den Institutionen auf regionaler Ebene und mit zivilgesellschaftlichen Akteuren werden konkrete Wege für eine verbesserte regionale Governance und ein wirksames Anpassungsmanagement entwickelt und beschritten.

Für das Teilziel Politik, Planung und Verwaltung ist das RISP der Ergebnisverantwortliche Projektpartner.

Vorgehensweise und Arbeitsmethodik

Das dynaklim-Arbeitsprogramm umfasst interdisziplinäre Forschungsarbeiten zu den Auswirkungen auf den regionalen Wasserhaushalt, Anwendungs- und Pilotprojekte zur Entwicklung flexibler Anpassungsmaßnahmen und die Erarbeitung von Konzepten und Lösungen zu allen planerischen, technischen, ökologischen, wirtschaftlichen, regionalpolitischen und gesellschaftlichen Aspekten im Problemfeld „Regionale Adaptation an den Klimawandel“. Aus der Region Emscher-Lippe heraus werden neue innovative Strukturen, Produkte, Strategien und Dienstleistungen erdacht und erprobt, die auf Klimawandel-Anpassungsprozesse in anderen Regionen übertragbar sein werden. Durch eine enge Zusammenarbeit mit vielen regionalen Akteuren in thematischen Regionalen Plattformen stellt dynaklim sicher, dass die Projektergebnisse von Beginn an in der und durch die Region angewendet, umgesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Projektpartner, Internationale Partner

Die Arbeit im regionalen dynaklim-Netzwerk beteiligt von Beginn an Wasserwirtschaftsunternehmen, politische Entscheidungsträger, Behörden, Industrieunternehmen, Forschungspartner und regionale Interessengruppen. Thematisch verwandte Projekte in Land, Bund und europäischen Nachbarländern werden in die Forschungs- und Netzwerkarbeit einbezogen. Das dynaklim-Netzwerk umfasst zurzeit 13 Antragsteller aus 11 Institutionen und mehr als 40 regionale Netzwerkpartner.

Das Teilvorhaben des RISP zielt auf die Verbesserung der Adaptationsfähigkeit der Region Emscher-Lippe. Es wird Möglichkeiten analysieren und Instrumente entwickeln, wie bzw. mit denen der von dynaklim einzuleitende Paradigmenwechsel auf der Ebene der Politik, Planung und Verwaltung im allgemeinen und auf der Ebene des regionalen Wassermanagements im besonderen vollzogen werden kann.

Publikationen

Roadmap 2020 – Regionale Klimaanpassung in ausgewählten Themenfeldern

Birk, S. / Grunow, D. / Kersting, M. / Liesenfeld, J. / Schüle, R. / Schneider, J. (2014): Policy Paper – Empfehlungen für eine abgestimme regionale Politik der Klimaanpassung. Verantwortung für die Anpassung des Klimawandels im Ruhrgebiet: Ohne regionale Strukturen und klare Zuständigkeiten auf kommunaler Ebene geht es nicht!


Laufzeit:
Juli 2009 bis Juni 2014

Kooperationspartner | Links

Projektbearbeitung

Projektleitung



Dipl. soz. wiss. Joachim Liesenfeld

E-Mail: joachim.liesenfeld@uni-duisburg-essen.de
Tel: +49 (0)203 28099-14


Projektmitarbeiter/innen



M.A. Jennifer Stachowiak

E-Mail: jennifer.stachowiak@uni-due.de
Tel: +49 (0)203 28099-16


Auftraggeber

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Ausgewählte Publikationen


  • Schüle, R. / Liesenfeld, J. / Madry, T.: Treffpunkt im Unendlichen - Synergien und konflikte von Klimaschutz und Klimawandelanpassung in der Stadt- und Regionalentwicklung. Beispiel: Die Emscher-Lippe-Region, in: Knieling, J. / Roßnagel, A. (Hrsg.): Governance der Klimaanpassung. Akteure, Organisation und Instrumente für Stadt und Region. Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten (Band 6). München: oekom, 2015. - 69-86
  • Liesenfeld, J. / Schneider, J. / Weingärtner, D.: Rgionale Klimaanpassung als kommunikativer und arbeitsteiliger Lernprozess, in: Knieling, J. / Roßnagel, A. (Hrsg.): Governance der Klimaanpassung. Akteure, Organisation und Instrumente für Stadt und Region. Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten (Band 6). München: oekom, 2015. - 229-246
  • Hasse, Jens / Bolle, Friedrich-Wilhelm / Denneborg, Michael / Frank, Susanne / Kuttler, Wilhelm / Liesenfeld, Joachim / u.a.: dynaklim - Dynamische Anpassung der Emscher-Lippe-Region (Ruhrgebiet) an die Auswirkungen des Klimawandels, in: Biebeler, Hendrik / Bardt, Hubertus / Chrischilles / u.a.: Wege zur Anpassung an den Klimawandel - Regionale Netzwerke, Strategien, und Maßnahmen. Köln: Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH, 2014. - 43-65
  • Birk, Susanne / Grunow, Dieter / Kersting, Michael / Liesenfeld, Joachim / Schüle, Ralf / Schneider, Jens: Empfehlungen für eine abgestimmte regionale Politik der Klimaanpassung. 2014. - | Download| mehr...
  • Apfel; Birk; Grunow; Hecht; Kerstin; Liesenfeld; Marday, Ovey; Schneider; Schüle: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für Politik, Planung und Verwaltung in Bezug auf die Anpassung an den Klimawandel. . dynaklim-Publikation Nr. 22, 2012. - | Download
  • Joachim Liesenfeld /Joey-David Ovey / Jens Schneider u.a.: Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für Politik, Planung und Verwaltung in Bezug auf die Anpassungen an den Klimawandel - Kurzfassung der SWOT-Untersuchung. dynaklim-Kompakt Nr. 05, 2011. - | Download| mehr...
  • Joachim Liesenfeld / Dieter Grunow / Armin Keivandarian: Anpassung der Kommunen an den Klimawandel, in: Governance der Klimaanpassung in der dynaklim-Region. dynaklim-Publikation Nr. 16, 2011. - | Download| mehr...
  • Dieter Grunow / Armin Keivandarian / Joachim Liesenfeld: Der Klimawandel und die Umweltpolitik aus der Sicht der Bevölkerung des Ruhrgebiets und der Emscher-Lippe-Region - Zusammenfassung der Ergebnisse. dynaklim- Kompakt Nr. 04, 2011. - | Download| mehr...
  • Liesenfeld, J. / Frehmann, T. / Hansen, C. / Hasse, J. / Quirmbach, M. / Siekmann, T.: Die Emscher-Lippe-Region auf dem Weg zur Anpassung an den Klimawandel, in: KA Korrespondenz Abwasser, Abfall 2011(Jg.58) Nr. 2.. 2011. - S. 138-144
  • Grunow, D; Keivandarian, A.; Liesenfeld, J: Bevölkerungsbefragung Klimawandel und UmweltpolitikBevölkerungsbefragung Klimawandel und Umweltpolitik, in: dynaklim-Publikation Nr. 5. 2011. - 80 Seiten| Download
  • Liesenfeld, Joachim: Klimaanpassung als Gestaltungsprozess in verschiedenen Governanceregimen., in: Cormont, Pascal; Frank, Susanne (Hrsg.): Governance in der Klimaanpassung – Strukturen, Prozesse, Interaktionen. dynaklim-Publikation Nr. 20, 2011. -
  • Grunow, Dieter/ Keivandarian, Armin/ Liesenfeld, Joachim: Der Klimawandel und die Umweltpolitik aus Sicht der Bevölkerung des Ruhrgebiets und der Emscher-Lippe Region. Zusammenfassung erster Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung. Duisburg: 2010. - | Download| mehr...