DFG-Forschungsprojekt

Nachdem die SVP das Modellprojekt zur Kommunalisierung sozialer Hilfen in Hessen (2000-2004) wissenschaftlich begleitet hatte, wurde der weitere Verlauf (die Umsetzung der Ergebnisse “in die Fläche”) zu einem grundlagenbezogenen Forschungsprojekt. Im Oktober 2005 startete das von der DFG geförderte Projekt “Herstellung und Sicherung kollektiv verbindlicher politisch-administrativer Entscheidungen im Rahmen eines Kommunalisierungsprozesses”. 2008 wurde es abgeschlossen und 2009 wurde der Forschungsbericht vorgelegt.

Nachdem die SVP das Modellprojekt zur Kommunalisierung sozialer Hilfen in Hessen (2000-2004) wissenschaftlich begleitet hatte, wurde der weitere Verlauf (die Umsetzung der Ergebnisse “in die Fläche”) zu einem grundlagenbezogenen Forschungsprojekt. Im Oktober 2005 startete das von der DFG geförderte Projekt “Herstellung und Sicherung kollektiv verbindlicher politisch-administrativer Entscheidungen im Rahmen eines Kommunalisierungsprozesses”. 2008 wurde es abgeschlossen und 2009 wurde der Forschungsbericht vorgelegt.
Die Publikation (erscheint 2010) widmet sich insbesondere den Fragen, wie die Verbindlichkeit von neuen Praktiken in einem Prozess mit heterogenen Akteursgruppen und divergierenden Interessen gesichert werden kann und wie neue Muster der verbindlichen Erledigung öffentlicher Aufgaben bei Verschiebungen von Implementationszuständigkeiten im Mehrebenensystem gesichert werden können. Nach Abschluss des Projektes wurden als erstes sichtbares Ergebnis zu den Erkenntnissen des Projektes Berichte für die teilnehmenden Kommunen verfasst, um diesen eine Einschätzung zur untersuchten Implementation der kommunalisierten sozialen Hilfen vor Ort zu bieten. Im Weiteren wurde dann die Vielfalt des gesammelten Materials (Interviews, Beobachtungsprotokolle, Schriftstücke etc.) gesichtet und Überlegungen angestellt, in welcher Form diese Materialien im Rahmen eines Buches fruchtbar gemacht werden könnten. Der Umfang war einerseits ein Vorteil, da eine Reihe sowohl praktischer Darstellungen zum Ablauf des Prozesses (insbesondere in vergleichender Perspektive) als auch verschiedener theoretischer Analysen vorgenommen werden konnten. Auf der anderen Seite stellte sich die Vielfalt aber auch als Nachteil heraus, da die Sichtung und Analyse, trotz arbeitsteiliger Herangehensweise, sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Letztendlich sind wir aber überzeugt, eine interessante Mischung einerseits praxisrelevanter und andererseits theoretisch interessanter Themen zusammengestellt zu haben.
Zu den Inhalten des Buches im Einzelnen zählen folgende Themenbereiche. Auf Basis des systemtheoretischen Untersuchungsansatzes werden der Analysezusammenhang, d.h. die Kommunalisierung sozialer Hilfen, die Herstellung bindender Entscheidungen im politisch-administrativen Mehrebenensystem, Output- und Throughputbedingungen unter dem Focus von Governance und Legitimation, die Integration von Landesinteressen in lokale Kommunikations- und Entscheidungsprozesse, Pfadabhängigkeit als Restriktion für die Angleichung von Praktiken, die Bedeutung von Vernetzung für die Vereinbarung von Verbindlichkeit, die Bedeutung personalen Vertrauens in kommunalen Netzwerken und die Funktion von Kommunikation für die Veränderung von Cognitive Maps thematisiert.
Daneben wird der Prozessverlauf unter verschiedenen Blickwinkeln dargestellt und analysiert. Dazu gehört auch die Vorgeschichte der landesweiten Kommunalisierung mit ihren weitreichenden Zielen und den Restriktionen, die bereits im vorgeschalteten Modellprojekt und bei Berücksichtigung der politischen Rahmenbedingungen sichtbar werden. Ein zentraler Punkt der Darstellung sind fallbezogene Interpretationen für jede der untersuchten Kommunen. Dabei wird analysiert, in welcher Weise die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen, die Entwicklung der Randbedingungen sowie die heterogenen Implementationsstrategien den Verlauf des Prozesses und die Erzeugung von Verbindlichkeit in den sechs beobachteten Fallbeispielen beeinflussen. Es geht um eine typisierende Aufarbeitung der Kommunalisierungsprozesses in den einzelnen Kommunen und zusammenfassend um eine Gesamtinterpretation der Entwicklungen.
Das abschließende Kapitel widmet sich der theoretischen Fundierung von Erfolgsfaktoren und Hemmnissen mit Blick auf vereinbarte Verbindlichkeit im Mehrebenensystem. Neben der zusammenfassenden Darstellung der empirischen Ergebnisse wird die Relevanz der systemtheoretisch begründeten Analysekategorien (Netzwerke, Wissen und Lernen, Vertrauen, grenzüberschreitende Kommunikation, Verbindlichkeit) in den Blick genommen.


Laufzeit:
Oktober 2005 bis Dezember 2008

Projektbearbeitung

Projektleitung



Prof. em. Dr. Dieter Grunow

E-Mail: dieter.grunow@uni-due.de
Tel: +49 (0)203 28099-0



Auftraggeber